Dieser Tatsache wirkte er fortan entgegen. So machte er beispielsweise aus der Pißgasse die Passage de la Bourse, also das Börsengässchen, oder aus dem Hundsrücken das Quartier des Hunes, den Hunnenrücken. Gleichzeitig wollte er den Bürgern der Stadt und Fremden die römischen und fränkischen Wurzeln der Stadt näherbringen. Der römischen Vergangenheit der Stadt sollte unter anderem durch die Namensänderung des Malzbüchel in Place Agrippine (Agrippinaplatz) gedacht werden. Der fränkischen Vergangenheit wurde zum Beispiel auf dem Place Charlemagne, dem Kaiser-Karls-Platz, ehemals Domhof, gedacht. Die Umbenennung des Gülichplatzes in Place Jules César (Juliusplatz) führte zur Auslöschung der Erinnerung an eine von Vielen als Freiheitskampf verstandene Revolte in der neueren Kölner Stadtgeschichte. Ebenfalls bereinigte Wallraf Straßenbezeichnungen, die aus Präpositionen, Artikeln und Namen zusammengesetzt wurden. Aus Straßen wie An St. Gereonsmühle, Im Filzengraben, An den Jesuiten oder In der Fleischmängergasse wurden Gereonsmühlengasse, Filzengraben, Lyzäenstraße oder Fleischmängergasse. Am 16. Dezember 1812, also vor 200 Jahren, ordnete Maire Johann Jakob von Wittgenstein an, ab sofort nur noch die neuen Straßenbezeichnungen zu verwenden. Sie wurden von nun an in deutscher und französischer Sprache in rechteckige Steinquader eingemeißelt und am Straßeneingang auf der linken Straßenseite in die Hausfassaden eingebracht. Mit dem Abzug der Franzosen 1816 wurden auch die Straßenbenennungen zumindest teilweise rückgängig gemacht. Der Malzbüchel beispielsweisebekam, genau wie der Neumarkt, seine angestammte Bezeichnung zurück. Auch Nikolaus Gülich und seinem Freiheitskampf wurde auf dem Gülichsplatz wieder ein Platz im öffentlichen Raum gegeben. In anderen Fällen sind die geänderten Namen auch beibehalten worden. Dies betrifft vor allem die von Wallraf bereinigten Namen. Daher kennt man heute zum Bespiel die Straße Aufm Katzenbauch unter dem Straßennamen Kattenbug. Nach dem Abzug der Franzosen wurden die Beschilderungen meistens abgehangen oder die Hausfassaden überputzt, doch fallen hier und dort dem aufmerksamen Betrachter an einigen Häusern die alten Straßenschilder als Zeugnisse vergangener Tage und Zeiten noch ins Auge – so auch am Kölnischen Stadtmuseum in der Rue de l‘Arsenal.
| Woche | 2012_50 |
| Datum | 2012-12-10 |
| Institut | Kölnisches Stadtmuseum |
| Epoche | 19. Jh. |
| Motivik | Geschichtliches Ereignis |
| Autor | S. Lewejohann |
