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Lieber von Raffael Becker gemalt als vom Leben gezeichnet

Bild der 07. Woche - 12. Februar bis 18. Februar 2024

Wo eine typische Raffael-Becker-Geschichte beginnen könnte? Beim Straßenkarneval in Sülz. Der Künstler selbst erinnert sich – an »et Zuckerlilly, de Bätes un dä Williwalter un dä Karl und dä Aapekopp un dä Manes un dä Häns, et Hannelore, et Inge un et Elsje.« Sie alle versammeln sich am »Zoch«, lachen und lamentieren über das Leben unddie verflossene Zeit seit dem letzten Karneval. Mitten im Trubel: Raffael Becker (1922 – 2013), der Kölner Kunstmaler.

Der ist nicht bloß ein netter Mensch, sondern auch ein aufmerksamer, freundlich gesonnener Beobachter. So kann sich niemand der Anwesenden sicher sein, nicht schon »direktemang« eine tragende Rolle in Beckers Bilderreigen zu spielen. Seine Motive findeter im persönlichen Umfeld, auf der Straße, in der Weetschaff op d’r Eck, beim Einkauf, bei Hochzeiten oder Beerdigungen. Und in der über 2000-jährigen Geschichte seiner Heimatstadt – die Heiligen Drei Könige treffen auf demonstrierende Studenten, die Romanischen Kirchen auf Südkurven-Hooligans. Der Familienhund Jimmy, der eigentlich Blasius heißen sollte, wird ebenso Thema wie der Patenonkel aus Westfalen, der Becker immer für zu dünn befindet und ihm paketweise Hausmannskost schickt. Auch die schillernde Kunstwelt bleibt nicht verschont – Becker widmet eines der Gemälde einem Besuch auf der ART COLOGNE, ein anderes Mal erzählt er von einem unvermittelten Lachanfall im Museum Ludwig und den strafenden Blicken anwesender Pop-Art-Fans. Er verewigt Hugo Borger, von 1974 bis 1990 Generaldirektor der Kölner Museen.Wie auch den Radsportler, der nach leidlich überstandenen Strapazen eines Rennens über Sülzer Kopfsteinpflaster als Hauptpreis ausgerechnet einen Staubsauger Marke »Fakir« überreicht bekommt.

Vom Humor der Kölschen kriegt Becker nicht genug. Hinter jedem Bild steht eine schräge oder tragikomische Geschichte, die der Künstler gern im persönlichen Gespräch mit seinem Publikum teilt. Nicht sattsehen kann sich Becker auch an den Menschen, denen er in seinen Werken augenzwinkernd ein Denkmal setzt. Gern karikierend, ganz so wie ein kölscher George Grosz, aber nie böswillig oder bloßstellend. Viele Gemälde entspringen einer Begegnung, die Becker beeindruckt oder berührt hat. Oder einer »komischen« Situation. Der Künstler gibt dem Alltäglichen, den Menschen und ihren Unzulänglichkeiten, unerwarteten Glanz. 

Tipp:

Dieser Textauszug stammt aus unserem Magazin museenkoelndas Nr. 01/2023, S. 22-26. Wollen Sie Raffael Beckers Blick auf Köln und die bunten Tage des Karneval auch nach dem Aschermittwoch erleben? Dann empfehlen wir Ihnen einen Besuch in dem Museum Raffael Becker in Köln-Lindenthal.

Woche2024_07
Datum2024-02-12
KünstlerRaffael Becker
InstitutKölnisches Stadtmuseum
GattungMalerei
Epoche20. Jh.
MotivikKöln
AutorR. Müller